Behütet und geführt

09.03.2026
Behütet und geführt
… manchmal zeigt sich Schutz ganz still.
… manchmal aber auch in einem einzigen Moment.
„Schatz, bist du richtig angeschnallt?“
„Ja, Mama! Guck!“, antwortete mein Sohn und zog den Sicherheitsgurt seines Kindersitzes neben mir nochmals fest.
Die dreispurige Autobahn war dicht gefüllt.
Wir fuhren auf der mittleren Spur.
Unser Tag hatte mit einigen Hindernissen begonnen und unsere Fahrt in ein Museum verzögerte sich an diesem Gründonnerstag ein wenig.
Wir blickten auf die Autobahn.
Ich reduzierte den Abstand zu dem vorausfahrenden Fahrzeug,
als plötzlich ein weißer Sprinter uns rechts überholte, vor uns einscherte und dann – ohne auf den schnelleren linken Verkehr zu achten –
weiter auf die Überholspur fuhr.
Er touchierte dabei den von hinten kommende BMW.
Und prallte selbst zuerst in die linke betonierte Fahrbahnbegrenzung.
Dann wurde er quer über die Fahrbahn geschleudert um auf der rechten Seite erneut gegen die Leitplanke zu prallen.
Der Schwung dieses Aufpralls katapultierte den Sprinter wieder auf die Fahrbahn, wo er wenige Meter vor uns zum Stillstand kam.
Ich konnte bremsen.
Und auch alle andere Fahrzeuge um und hinter uns kamen auch zum Stehen.
Kurz atmete ich tief ein und wieder aus.
Es war alles still.
Ich blickte zu meinem Sohn.
„Alles ist gut, mein Schatz! Bleib hier sitzen, ich muss dem Mann helfen.“, wies ich meinen Sohn an, legte ihm die Hand aufs Knie und stieg aus dem Auto.
Nach mir eilten noch andere Menschen zur Hilfe und wir konnten den schwer verletzten Mann aus seinem Wrack bergen.
Wir hatten Glück!
Unglaubliches Glück!
An einem Gründonnerstag –
damals war es der 14.04. –
heirateten im Jahr 1938 meine Großeltern.
Wir waren beschützt und behütet.
Ein Jahr später, es war wieder der 14.04. wollten mein Sohn und ich erneut einen Ausflug machen.
Der Unfall des letzten Jahres war uns noch allzu präsent und wir beschlossen heute nicht die Autobahn zu fahren.
Wenige Kilometer später nahm uns in einer kleinen Stadt eine große schwere Limousine unsanft die Vorfahrt.
Wütend und schimpfend über diese Unachtsamkeit reihte ich mich hinter dem Fahrzeug ein.
Der Fahrer hatte scheinbar den gleichen Weg vor sich wie wir und wir fuhren eine Zeit hintereinander.
Als wir durch einen großen Wald fuhren, vergrößerte ich – fast unbewußt – den Abstand.
Als plötzlich von rechts aus einer kleinen schmalen Waldstraße ein Auto ungebremst und mit höherer Geschwindigkeit in die Limousine vor uns fuhr.
„Nein! Nicht schon wieder!“, rief mein Sohn, während ich bremste.
Ich atmete tief ein und aus.
Es war still.
Wie vor einem Jahr waren wir wieder unmittelbar hinter dem Unfallfahrzeug.
Und erneut stieg ich sofort aus um den Verletzten zu helfen.
Die ältere Fahrerin des von rechts kommenden Fahrzeugs wurde schwer verletzt.
Die Limousine hatte auf der Beifahrerseite großen Schaden genommen, aber glücklicherweise wurde dort niemand verletzt.
Wir hatten Glück!
Unglaublich großes Glück!
… unser Auto war nicht so stabil und schwer gebaut wie die Limousine.
… und auf der verunfallten Seite wäre mein Sohn gesessen.
Wir waren beschützt und behütet.
Ich zweifelte nicht mehr.
Ich brauchte keine Beweise mehr.
Ich fühlte es.
Ich bekam Gänsehaut.
… im Wald fand ich die Antwort.
… und ich hatte keine Angst mehr.
Gib mir deine Hand,
sprach der Fuchs
… und ich vertraute.
























































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